Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Der TFR (Trattamento di Fine Rapporto) ist eine Besonderheit des italienischen Arbeitsrechts, die viele ausländische Arbeitgeber überrascht. Es handelt sich um eine gesetzliche Abfindung, die jeder Arbeitnehmer im Privatsektor während des Arbeitsverhältnisses anspart und bei dessen Ende ausgezahlt bekommt, unabhängig davon, ob er selbst kündigt, entlassen wird oder in Rente geht.
Anders als eine Abfindung in Deutschland ist der TFR also keine Verhandlungssache bei einer Kündigung, sondern ein aufgeschobener Gehaltsbestandteil, der jeden Monat entsteht. Geregelt ist er in Artikel 2120 des italienischen Zivilgesetzbuchs (Codice Civile).
Wie wird der TFR berechnet?
Die Berechnung folgt einer festen Formel:
- Jährliche Rückstellung: Jahresgehalt geteilt durch 13,5. Das entspricht rund 7,4 % der Bruttovergütung.
- Abzug von 0,5 %: Von der jährlichen Rückstellung wird ein Beitrag von 0,5 % der Bruttovergütung an das INPS abgeführt. Netto werden also rund 6,9 % angespart.
- Jährliche Aufwertung: Der bereits angesparte Betrag wird jedes Jahr um 1,5 % fix plus 75 % der Inflationsrate (ISTAT-Verbraucherpreisindex) aufgewertet. Auf die Aufwertung fällt eine Ersatzsteuer von 17 % an.
Beispiel: Bei einem Bruttojahresgehalt von 40.000 € beträgt die jährliche TFR-Rückstellung rund 2.960 € (netto nach Abzug der 0,5 % rund 2.760 €). Nach fünf Jahren ergibt sich, je nach Inflation, ein Anspruch von etwa 14.000–15.000 €.
Wie sich der TFR in die gesamten Personalkosten einfügt, zeigen wir in unserem Artikel Wie hoch sind die Arbeitgeberkosten in Italien? Eine schnelle Schätzung erhalten Sie mit unserem Gehaltsrechner für Italien.
Wann wird der TFR ausgezahlt?
Der TFR wird bei jeder Beendigung des Arbeitsverhältnisses fällig: bei Eigenkündigung, Kündigung durch den Arbeitgeber, Ablauf eines befristeten Vertrags oder Renteneintritt. Die Auszahlung erfolgt in der Regel als Einmalbetrag mit der letzten Gehaltsabrechnung oder innerhalb der im Tarifvertrag (CCNL) vorgesehenen Frist. Für den Arbeitnehmer wird der TFR getrennt besteuert (tassazione separata), also nicht zusammen mit dem laufenden Einkommen.
TFR-Vorschuss
Arbeitnehmer mit mindestens acht Jahren Betriebszugehörigkeit können einmalig einen Vorschuss von bis zu 70 % des angesparten TFR beantragen, zum Beispiel für medizinische Behandlungen, den Kauf der ersten Wohnung für sich oder ihre Kinder sowie für Elternzeit oder Weiterbildung. Der Arbeitgeber muss jedes Jahr höchstens 10 % der berechtigten Arbeitnehmer (und maximal 4 % der Gesamtbelegschaft) einen Vorschuss gewähren.
TFR im Unternehmen oder im Rentenfonds?
Seit 2007 können Arbeitnehmer entscheiden, ob ihr künftiger TFR beim Arbeitgeber bleibt oder in einen Zusatzrentenfonds (previdenza complementare) fließt. Für den Arbeitgeber macht das einen Unterschied:
- TFR bleibt im Unternehmen: Der Betrag wird als Verbindlichkeit in der Bilanz geführt und wächst jedes Jahr. Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten müssen diesen TFR allerdings an einen Fonds des INPS (Fondo di Tesoreria) abführen.
- TFR geht in einen Rentenfonds: Der Arbeitgeber zahlt die Beträge regelmäßig an den Fonds und hat keine Rückstellung mehr in der Bilanz.
Neu seit 1. Juli 2026: automatische Anmeldung beim Rentenfonds
Mit dem Haushaltsgesetz 2026 hat Italien die Standardregel umgedreht. Seit dem 1. Juli 2026 werden neue Mitarbeiter im Privatsektor automatisch bei einem Zusatzrentenfonds angemeldet. Trifft der Mitarbeiter innerhalb von 60 Tagen nach der Einstellung keine andere Entscheidung, fließt sein künftiger TFR in den Fonds statt beim Arbeitgeber zu bleiben.
- Der bis zum 31. Dezember 2025 angesparte TFR ist davon nicht betroffen.
- Die Regel gilt nur für Neueinstellungen ab dem 1. Juli 2026.
- Für ausländische Arbeitgeber bedeutet das: Die Entscheidung über den TFR gehört jetzt zum Onboarding und nicht erst zum Austritt.
Was bedeutet der TFR für ausländische Arbeitgeber?
- Budgetplanung: Rechnen Sie zu jedem Gehalt rund 7,4 % TFR hinzu.
- Liquidität: Bleibt der TFR im Unternehmen, muss bei jedem Austritt ein womöglich hoher Betrag auf einmal ausgezahlt werden.
- Compliance: Berechnung, Aufwertung, Ersatzsteuer und die neuen Regeln zur automatischen Anmeldung müssen korrekt umgesetzt werden.
Wenn Sie Mitarbeiter über einen Employer of Record in Italien beschäftigen, übernimmt der EOR die gesamte TFR-Verwaltung, von der monatlichen Rückstellung bis zur Auszahlung. Peoitaly ist eine vom italienischen Arbeitsministerium zugelassene Arbeitsagentur. Sprechen Sie mit unseren Experten.
Häufige Fragen
Bekommt ein Arbeitnehmer den TFR auch bei Eigenkündigung?
Ja. Der TFR steht dem Arbeitnehmer bei jeder Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu, auch bei Eigenkündigung.
Wie viel TFR entsteht pro Jahr?
Rund 7,4 % des Bruttojahresgehalts (Jahresgehalt geteilt durch 13,5), abzüglich eines INPS-Beitrags von 0,5 %.
Gilt der TFR auch für Führungskräfte (Dirigenti)?
Ja, der TFR gilt für alle Arbeitnehmer im Privatsektor, einschließlich Führungskräften.


